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Die Geschichte des Dr. Ronkarz



Als Johann Heinrich Göriß wurde er am 24.Mai 1782 in Selsten, Gemeinde Braunsrath, geboren. Der Ort liegt nahe der niederländischen Grenze bei Jülich und gehörte damals zu Rheinpreußen. Mit der Besetzung durch napoleonische Truppen begann für den jungen Göriß eine abenteuerliche Reise, die bis heute nicht mehr ganz zu rekonstruieren ist. Sicher ist, dass er irgendwann ab 1796 den Namen Heinrich Leonard Ronkarz angenommen hatte, um dem Kriegsdienst unter den Franzosen zu entgehen. Dazu gibt es eine glaubwürdige Quelle: Pfarrer Braun.

Auszug Urkunde Valentin Braun:
".......ferner bestätige ich, dass er während der ganzen Dauer seines Aufenthaltes in Braunsrathen, das auch sein Geburtsort ist, die Vorschriften der katholischen Religion mit Eifer erfüllt hat und aus keinem anderen Grunde sich unter einem fremden Namen verborgen hat, als dem Militärdienst unter der Gewaltherrschaft der Franzosen zu entrinnen und dadurch zu verhindern, dass seine Familie dem sichern Untergang ausgesetzt würde. Er hat das ferner getan, um sich ungehindert gänzlich seinen Studien widmen zu können. Nachdem also von der Not, die bekanntlich kein Gebot kennt, unser Herr Doktor, der vorher Johann Heinrich Göriß hiess, gezwungen worden ist, sich Leonhard Ronkarz zu nennen, habe ich ihm bereitwilligst dieses Zeugnis ausgestellt, dasselbe mit eigener Hand unterschrieben und zur besseren Glaubwürdigkeit mit meinem Siegel versehen.

Braunsrath, 31. Oktober 1814
Johann Valentin Braun"



Wie er dann nach Würzburg gelangte, darüber gibt es nur Mutmaßungen. Es war die Zeit der Koalitionskriege, die 1792 ausbrachen, also die Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und den europäischen Rivalen. Der erste Kriegszug führte 1796 auch über Würzburg nach Italien, daran könnte Göriß teilgenommen haben. Einerseits hätte er die Gegend kennengelernt und erste Eindrücke aus Italien mitgenommen, andererseits könnten ihn die grausamen Erfahrungen in den Kämpfen dazu bewogen haben, unter fremdem Namen weiteren Einsätzen zu entgehen. Pfarrer Braun berichtet leider nicht, wie Goeriß zu seinem neuen Namen kam. Keine gesicherte Quelle kann uns heute Auskunft geben, darum entstand im Lauf der Zeit eine Geschichte darüber. Sie besagt, dass Goeriß in der Schlacht bei Kulm die Papiere eines gefallenen Soldaten an sich nahm. Das klingt spannend, kann aber leider nicht so gewesen sein. Die Schlacht bei Kulm fand 1813 statt, aber bereits 1809 hatte Goeriß unter dem Namen Ronkarz sein Studium begonnen. Der gefallene Ronkarz müsste außerdem zufällig genau das gleiche Geburtsdatum wie Goeriß gehabt haben, dies wurde nämlich nach dem Namenswechsel nicht verändert. Aber auch ohne diese Ausschmückung verlief sein Leben abenteuerlich.

Den nächsten Meilenstein bildete das Medizinstudium in der schon damals renommierten Universität zu Würzburg. Ab November 1809 findet sich Heinrich Leonard Ronkarz als eingeschriebener Student. Woher die nicht unerheblichen Mittel dafür stammten, ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass er medizinische Werke abschrieb, um etwas Geld zu verdienen. Sicher ist, dass er sein Studium im Frühjahr 1813 erfolgreich abschloss. Es war die Zeit der so genannten Befreiungskriege. Bayern befand sich als einer der Staaten des Rheinbundes auf der Seite Napoleons. Im Oktober 1813 begann die Belagerung der Festung Marienberg durch die Österreicher und dauerte bis Mai 1814. Der frischgebackene Dr. Ronkarz erhielt eine Anstellung im Auftrag der Franzosen im Würzburger Mainviertel. Das brachte ihm den Namen "Franzosendoktor" ein. Er behandelte Bürger und Soldaten in seiner Praxis und erkrankte selbst unheilbar an Nervenfieber. Zwar überlebte er, aber seine Gesundheit war zeitlebens angeschlagen. Heute wird dese Krankheit Typhus genannt.

Nach einer darauffolgenden Anstellung als provisorischer Physikus (Kreisarzt) in Mellrichstadt bewarb er sich um eine feste Stelle. Doch das Staatsministerium des Inneren stellte fest, dass Dr. Ronkarz ein Ausländer und somit vor Erlangung des bayerischen Indigenats (Staatsangehörigkeit) nicht zur Anstellung im Staatsdienst geeignet sei. Daraufhin richtete er ein Schreiben an das Ministerium, in dem er "als pfalzbairischer Unterthan von Geburt" sich "die Zufriedenheit der höchsten Stellen" durch seine Verdienste als Arzt erworben habe. Das Ministerium folgte diesen Ausführungen und setzte sich für Dr. Ronkarz an allerhöchster Stelle ein, mit Erfolg. Am 29. Juli übertrug Seine Majestät Maximilian I. Joseph König von Baiern ihm die begehrte Stelle.

Urkunde / Dekret des Königs Quelle: StaWü, Reg. v. Ufr. 6257

Am 25. August 1818 leistete er seinen Amtseid und siegelte ihn mit seinem eigenen Wappen.

Urkunde / Amtseid Dr. Ronkarz: StaWü, Reg. v. Ufr. 6257

Übersetzung:

"Ich Heinrich Leonard Ronkarz gelobe und schwöre zu Gott dem Allmächtigen einen Eid, dass ich zu keiner geheimen Gesellschaft, oder zu irgend einer Verbindung, deren Zweck dem Staate, dem ich Unterthan und Diener bin, unbekannt, von demselben nicht gebilliget, oder dem Interesse des Staates fremdt ist, gehöre, noch je in Zukunft gehören werde. So wahr mir Gott helfe, und alle seine Heiligen.
Gemünden am 25. August 1818

1820 kam noch das Physikat in Aura hinzu. Er hatte es geschafft, eine angesehene Position zu erreichen. Alle Zeugnisse über seine Tätigkeit belegen, dass er ein guter und beliebter Arzt war. Seinen Beruf sah er wohl als Berufung an.

Als Mensch war er durchsetzungsstark, ein Bericht aus der Festung Marienberg beschreibt ihn als "faustfesten Mann". Was fehlte ihm noch zum Glück? Eine Familie. 1821 heiratete er Agnes Kraus, eine junge Beamtentochter aus Lohr. Durch seine Praxis kam er wohl zu einigem Wohlstand. Die Stelle als Arzt im Staatsdienst hingegen war schlecht bezahlt, hier zählte vor allem die hohe Reputation. Woher das Kapital für den prunkvollen Garten letztlich stammte, bleibt rätselhaft. Vielleicht hatte seine Frau das Geld, aber ein Beweis ist nicht zu finden. 1826 war es dann soweit: Das Ehepaar kaufte das Haus in der Obertorstraße 23 in Gemünden und das steil abfallende Gelände zwischen ihrem Wohnhaus und der Scherenburg. Nun stand dem großen Werk nichts mehr im Weg, dem Bau des Gartens.
Berühmte Beispiele wie die Villa d'Este in Tivoli in der Nähe von Rom könnten Ronkarz als Inspiration gedient haben. Dass er allerdings häufig nach Italien gereist sei, wie öfter nachzulesen, ist eher unwahrscheinlich. Als königlicher Physikus und praktischer Arzt hätte er nicht die Zeit dazu gehabt, wenn man bedenkt, wie lange Reisen damals dauerten. Auch die Festung Marienberg bietet sich mit ihrem Fürstengarten als Vorbild an. Diese Anlage kannte Dr. Ronkarz aus seiner Würzburger Zeit sicher gut. Woher aber letztlich der zündende Funke kam, ist nicht zu klären.

1838 kam Heinrich Georg Franz zur Welt. Sein Vater sollte es nicht mehr erleben, wie der Sohn es in seinem kurzen Leben zum Bürgermeister und Landtagsabgeordneten brachte. Dessen Sohn, der Kaufmann wurde, reiste tatsächlich viel und gründete ein Reisebüro in Gemünden. Die Familie Ronkarz bewohnte noch bis 1950 das Haus in der Obertorstraße.



Genealogie der Namensträger Ronkarz

Dr. Ronkarz war bekannt für seine Großzügigkeit. Nicht nur für sich und seine Familie, sondern auch für "seine" Gemündener hatte er ein großes Herz. Die ungewöhnlichen pyramidenförmigen Säulen der Friedhofsmauer und das Eingagsportal ließ er gestalten; auch stiftete er den Grabstein für Pfarrer Goldstein. Als tiefgläubiger Mensch setzte er sich 1840 mit einer großen Unterschriftenaktion für die Rettung des Klosters Schönau ein.

Seine angeschlagene Gesundheit aus der Würzburger Zeit machte ihm ab 1840 immer mehr zu schaffen. Es gab Beschwerden über seine Amtsführung, denen er aber begegnen konnte. Es kam nicht zu einer vorzeitigen Pensionierung. Das Landgericht stellte lediglich fest, dass der nach über einem Jahr Krankheit zuückgekehrte Dr. Ronkarz "wegen seines vorgerückten Alters und starker Corpulenz" höher gelegene Ortschaften kaum mehr erreichen könne. Außerdem bemängelte man, dass er "im administrativen Geschäftstheile" vieles einem Nebenbeamten überlasse.

Nach eigener Meinung fühlte er sich gesund und kräftig für alle seine Amtsgeschäfte. Doch in der Nacht vom 2. auf den 3. September 1852 erlitt er einen Schlaganfall, dem er am 4. September erlag. Eine schillernde Persönlichkeit war gegangen. Einige Geheimnisse nahm er mit, seinen Garten ließ er uns zurück.

Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof in Gemünden.




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Im Rathaus: Was erledige ich wo?
Rathaus & Verwaltung
Das Foto zeigt das Rathaus in Gemünden, von der Scherenburg aus gesehen.
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